Helmut Kopp 1939-2026 – Eine Würdigung

Die Trauer ist groß in Telfs nach dem Tod von Helmut Kopp. Unser Langzeitbürgermeister starb am 11. August im Alter von 87 Jahren, versehen mit den Hl. Sterbesakramenten, sanft im Kreise seiner Familie. Sein Lebenswerk begegnet uns in Telfs täglich – oft auch, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Ein Nachruf in Wort und Bild.

Mann am Rednerpult

„Du kannst nur ein guter Bürgermeister sein, wenn du deine Gemeinde als Nabel der Welt empfindest.“ – Helmut Kopp

Helmut Kopp war von 1974 bis 2004 Gemeindeoberhaupt und prägte und gestaltete die Marktgemeinde mehr als jeder Bürgermeister vor ihm. Telfs hat sich in dieser Zeit zur drittgrößten Gemeinde Tirols, zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Region, zu einem Bildungs-, Sport- und Kulturort und zu einem vielfältigen Lebensraum für alle Generationen entwickelt. An dieser Entwicklung hatte unser verstorbener Langzeitbürgermeister wesentlichen Anteil. 

Familie war ihm alles

Helmut Kopp wurde am 4. Juli 1939 als viertes von insgesamt sechs Kindern einer Lehrersfamilie in Igls geboren. Die Familie übersiedelte später nach Telfs, den Heimatort seiner Mutter. Sie kam aus der alteingesessenen Telfer Familie Schilcher, vulgo „Balz“. Nach einer Lehre als Drogist und der HAK-Matura arbeitete Helmut als Drogist, dann als Berufsschullehrer und ab 1965 schließlich als Geschäftsleiter und Direktor der Raiffeisenkasse Telfs, heute Raiffeisenbank Tirol Mitte West. 1965 gründete er seine Familie durch die Heirat mit seiner aus Wildermieming stammenden Gattin Isabella, geb. Volgger, stets „Bella“ genannt. Zwei Kinder – Christine und Michael – komplettierten das Familienleben. Sie machten ihn fünf Mal zum Opa, eine Aufgabe und Rolle, die er in vollen Zügen genoss. Drei Urenkel machten das Glück perfekt.

Steile politische Karriere

1968 kandidierte er erstmals als parteifreier Kandidat auf der ÖVP-Liste, 1969 trat er der ÖVP Telfs bei und wurde 1970 zum Obmann gewählt. Nach der Gemeinderatswahl 1974 löste der 36-jährige als Kandidat der ÖVP überraschend den SPÖ-Bürgermeister Emil Achammer ab. Vier Mal wurde Kopp in der Folge wiedergewählt und war dreißig Jahre lang Gemeindeoberhaupt. 2004, mit 65 Jahren, trat er als Bürgermeister in den Ruhestand und übergab an seinen Nachfolger Stephan Opperer. Im selben Jahr wurde Kopp, Träger vieler weiterer Auszeichnungen, zum Ehrenringträger und Ehrenbürger der Marktgemeinde Telfs ernannt. Auch das Land Tirol würdigte seine Verdienste 2004 mit der Verleihung des Ehrenzeichens.

Eine Person, die eine Halskette am Hals einer anderen Person anlegt.Verleihung des Ehrenzeichens des Landes Tirol 2004 durch den damaligen LH Herwig van Staa.

Die Liste der führenden Ämter, die er während seiner Epoche als Gemeindechef ausübte, ist lang. Er war – um nur einige zu nennen – Obmann des Altenwohnheimverbandes Telfs, des Standesamts- und Staatsbürgerschaftsverbandes Telfs, des Abwasserverbandes Telfs und Umgebung, Vorsitzender der Kleinregion 09, Obmann des Telfer Schleicherlaufens, der Regionalen Musikschule Telfs, Vorsitzender-Stellvertreter des Tiroler Städtebundes, Vorstand am Bezirkskrankenhaus Hall, u.v.a.m.

Steuermann des Strukturwandels

Als Helmut Kopp 1974 sein Amt antrat, befand sich Telfs in eine schwierigen Situation, um nicht zu sagen: in einer echten Krise. Die wirtschaftlich dominierende Textilindustrie befand sich in wirtschaftlicher Schieflage. In der Folge ging ein Großteil der Fabriks-Arbeitsplätze verloren. Es ist ein historischer Verdienst Helmut Kopps, dass es unter seiner Führung gelang, den Ort wirtschaftlich umzustrukturieren und neu aufzustellen. Dieser für den Wirtschaftsstandort Telfs lebenswichtige Wandel wurde durch Ansiedelung wichtiger neuer Firmen und die Förderung heimischen Betriebe möglich. Dabei halfen dem jungen Bürgermeister seine besonderen Qualitäten: Verhandlungsgeschick, psychologisches Gespür, Zähigkeit, Weitblick und Mut.

Eine Person, die in ein Mikrofon spricht.Helmut Kopp als frisch gewählter Bürgermeister im Jahre 1975.

Aber auch sonst ist Helmut Kopps Name mit der Modernisierung und Dynamisierung der Marktgemeinde untrennbar verbunden. Von den vielen Projekten, die er initiierte oder maßgeblich förderte, seien nur die wichtigsten genannt (in loser Reihenfolge):

· Erneuerung des Ortszentrums (Projekt EGOT) und neuer RathausSaal
· Betriebsansiedelungen und Förderung der ansässigen Wirtschafts- und Industriebetriebe
· Ärztehäuser
· SportZentrum Telfs
· Sicherheitszentrum
· Westumfahrung/Umfahrungstunnel
· Neubau Altenwohnheime Wiesenweg und Schlichtling
· Laufende Erweiterungen der Kindergärten
· Laufende Schulerweiterungen der Volks- und Hauptschulen
· Gründung, Erweiterung und Neubau des Bundesschulzentrums, das heute seinen Namen trägt
· Gründung der Gemeindewerke Telfs als GmbH.
· Klärwerk
· Abfallwirtschaftszentrum
· Hochwassersicherungen/Sicherung der Wasserrechte
· Sozialer Wohnbau und Schaffung neuer Ortsteile
· Renovierung der Pfarrkirche Peter & Paul
· Schaffung der Pfarren zur Auferstehung und Hl. Geist
· Sozial- und Gesundheitssprengel Telfs & Umgebung
· Lebenshilfe Telfs
· u.v.m.

Kemmt’s zu uns!

Im kulturellen Bereich sind die Einrichtung des Museums und Kulturzentrums im Noaflhaus und vor allem die Etablierung der Tiroler Volksschauspiele in Telfs zu nennen. Sein legendärer Satz „Kemmt’s zu uns, bei uns gibt’s koa Zensur“ steht bis heute für jene Offenheit, mit der er Kultur in Telfs Raum gab. Bei der Einrichtung der ersten Moschee in Telfs stand er Pate, was seine große Wertschätzung für die moslemischen Gemeindebürger unterstreicht.

Eine Gruppe von Männern sitzt an einem Tisch mit Essen und GetränkenBesuch eines muslimischen Festes 2008.

Herzensprojekte Friedensglocke und Munde

Ein Herzensprojekt war für Helmut Kopp die Errichtung der Friedensglocke des Alpenraums 1997. Mit ihr setzte er einen tiefen Wunsch seines Idols Eduard Wallnöfer in die Tat um. Feierliche Anlässe bei der Friedensglocke hat er geliebt, dort begrüßte er gerne führende Persönlichkeiten und ließ die Glocke läuten. 2017 wurde er selbst zum Botschafter der Friedensglocke ernannt.

Eine Person, die in ein Mikrofon sprichtHelmut liebte feierliche Anlässe bei der Friedensglocke in Mösern. Der Erwerb der Hohen Munde von den Bundesforsten war ein weiterer persönlicher und emotionaler Höhepunkt für Helmut Kopp. Als er 1998 das Schild seiner Marktgemeinde auf dem Gipfel anbringen konnte, hatte er Freudentränen in den Augen.

Eine Gruppe von Männern, die auf einem Berg stehenEmotionaler Moment: Die Übergabe der Hohen Munde von der Bundesforste an die Marktgemeinde Telfs 1998.

Förderer des Vereinswesens

Verdient machte sich der Verstorbene durch seine großzügige Vereins- und Kulturförderung, die dem Vereinsleben zu einer nachhaltigen Blüte verhalf. Er engagierte sich auch selbst maßgeblich im Vereinswesen: u.a. als Finanzreferent des Roten Kreuzes Telfs, im Radfahrverein, im Fußballklub (SV Telfs), in der Agrargemeinschaft Telfer Almen, im Turnverein, im Krippenverein, in der Marktmusikkapelle Telfs sowie bei der Schützenkompanie. Viele Vereine verliehen im für seine Verdienste Ehrenmitgliedschaften.

Soziales Gewissen – Telfer helfen Telfern

Jede Beschreibung von Helmut Kopp wäre unvollständig, wenn man nicht auch sein ausgeprägtes soziales Denken und seine Empathie, besonders für die „kleinen Leute“, hervorheben würde. Selten wurde er vergeblich um Hilfe gebeten. Er hatte ein Herz vor allem für Kinder, für zu kurz Gekommene, Außenseitern und sozial Schwache. Vorwürfe wegen seiner Weichherzigkeit und Witze darüber betrachtete er als Kompliment. Er übernahm auch persönlich mehrere Patenschaften. Sein ausgeprägtes soziales Gewissen war ortsbekannt. Er war ein Bürgermeister, der den Menschen zugewandt war, ihnen zuhörte und besonders jene im Blick hatte, die Unterstützung brauchten.

Eine Gruppe von Menschen, die für ein Foto posiert1999 gründete Helmut Kopp den Unterstützungsverein Telfer helfen Telfern. 2021 hat er die Obmannschaft an den amtierenden Bgm. Christian Härting übergeben. Hier bei der 20-Jahr-Feier 2019 (v.l.) Helmut Kopp, Kassierin Doris Schiller, Bella Kopp und Christian Härting.

Sein soziales Engagement gipfelte 1999 – anlässlich seines 60. Geburtstages – in der Gründung des Bgm. a. D. Helmut Kopp Unterstützungsvereins Telfer helfen Telfern, dessen Obmann er bis zum Jahr 2020 blieb, ehe er an den amtierenden Bgm. Christian Härting übergab. Telfer helfen Telfern ist nach wie vor erste Anlaufstelle für in Not geratene Bürgerinnen und Bürger. Der Verein setzt weiters das ganze Jahr über Aktionen, um finanziell benachteiligten Menschen unter die Arme zu greifen.

Gegen den Strom

Helmut Kopps Leistungen als Bürgermeister wurden möglich gemacht durch seine offene Art, seine erwähnten besonderen Talente und seine zutiefst menschlichen Qualitäten. Er vertrat ein traditionelles Weltbild, war aber immer auch offen für Neues und Unkonventionelles und bereit, notfalls auch gegen den Strom zu schwimmen. So etwa bei der Kontroverse um die Aufführung von Felix Mitterers „Stigma“ oder der Verwirklichung der Volksschauspiele-Aufführung „Munde“ auf dem Munde-Gipfel.

Eine Gruppe von Männern, die auf einem Berg stehenDie Aufführung von „Munde“ am Gipfel des Telfer Wahrzeichens: Helmut Kopp mit Felix Mitterer (ganz r.), Hubert Auer (ganz l.) und Hubert Kobler.

Führungsstarker Macher

Kopp war zeitlebens ein Macher und bewies unnachahmliche Führungsstärke. Auch wenn er gern damit kokettierte, dass er nur ein „kloaner Landbürgermeister“ sei, der nur die Aufträge des Gemeinderats und der Bevölkerung ausführe. Er war aber gleichzeitig auch ein „Dealmaker“ und auf Konsens orientiert. Helmut Kopp war ein leutseliger Patriarch, der mit allen reden konnte. Ihn zeichnete barocke Lebensfreude aus, wozu auch die Freude am Feiern und an Inszenierungen gehörte, z. B. wenn er anlässlich der Munde-Übergabe Alphornbläser auf den Gipfel des Telfer Hausbergs fliegen ließ. Er liebte Zeremonien – Feste, Bälle, Jubiläen und Einweihungen. Vor allem war er auch Fasnachtler mit Leib und Seele. Von 1975 bis 2000 stand er dem Telfer Schleicherlaufen als Obmann vor.

Eine Person, die in ein Mikrofon sprichtHelmut als Fasnachtsobmann mit dem Naz in der Fasnacht 1995.

Blüten seines Lebenswerks

In seiner Freizeit widmete er sich neben seiner Familie vor allem seinen liebsten Hobbys, dem Paschen, Watten und Garteln. Auch hier spiegelt sich seine besondere Lebensfreude und seine Geselligkeit wider. Seine große Leidenschaft war aber die Liebe zu Telfs und seiner Bevölkerung, für die sein Herz zeitlebens schlug. Für Telfs war ihm kein Einsatz zu viel und keine Mühe zu groß. Sein schönster Lohn war, dass er im Alter mit Stolz auf seine Leistungen zurückblicken und sehen konnte, was für prächtige Blüten sein Lebenswerk trägt. Seine politische, gesellschaftliche, soziale und kulturelle Handschrift wird in Telfs noch lange spürbar sein. Die Entwicklung unserer Marktgemeinde baut auf Helmut Kopps langfristigen Konzepten und Visionen auf.

Eine Person, die ein Kartenspiel spielt

Wir trauern um unseren Altbürgermeister. Wir sind Helmut Kopp zu größtem Dank verpflichtet. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm persönlich verbunden waren.

Der Herr gebe ihm die ewige Ruhe, das ewige Licht leuchte ihm.


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    1975 als junger Bürgermeister.
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    Papstaudienz 1984 – mit Dekan Franz Saurer.
  • %c3%9cbergabe+des+Telfer+Heimatbuches+an+Eduard+Walln%c3%b6fer+1988
    Übergabe des Telfer Heimatbuches an Eduard Wallnöfer 1988
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    Volksschauspiele am Mundegipfel 1990.
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    Fasnacht 1995.
  • %c3%9cbergabe+der+Hohen+Munde+an+die+Marktgemeinde+Telfs+1988.
    Übergabe der Hohen Munde an die Marktgemeinde Telfs 1988.
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    Helmut Kopp mit Bürgerneisterkette.
  • Fastenbrechen+beim+Verein+ATIB+2008.
    Fastenbrechen beim Verein ATIB 2008.
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    Ehrenzeichen des Landes Tirol 2004.
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    Helmut Kopp am Rednerpult.
  • Ernennung+zum+Ehrenb%c3%bcrger+2004.
    Ernennung zum Ehrenbürger 2004.
  • Ernennung+zum+Ehrenb%c3%bcrger+2004.
    Ernennung zum Ehrenbürger 2004.
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    Markantes Porträt für die Bürgermeistergalerie im Rathaus.
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    Seltene private Einblicke.
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    Herzensangelegenheit Friedensglocke.
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    So bleibt Helmut in Erinnerung.
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    Festakt 25 Jahre 50 Jahre ARGE ALP und 25 Jahre Friedensglocke. Helmut Kopp mit den Ehrenbürgern Peter Larcher und Arthur Thöni sowie LR Cornelia Hagele.
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    20 Jahre Telfer helfen Telfern.
  • 25+Jahre+Telfer+helfen+Telfern+%e2%80%93+mit+LH+a.+D.+G%c3%bcnther+Platter.
    25 Jahre Telfer helfen Telfern – mit LH a. D. Günther Platter.
  • 25+Jahre+Telfer+helfen+Telfern+%e2%80%93+mit+Bgm.+und+ThT-Obmann+Christian+H%c3%a4rting.
    25 Jahre Telfer helfen Telfern – mit Bgm. und ThT-Obmann Christian Härting.
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    Ein Watter mit Gregor Bloéb.
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    Watten war Helmuts große Leidenschaft.
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    Mit seiner Bella beim Besuch des Musicals „Scrooge“.